Die Abkürzung „TIME“ beschreibt einen systematischen Ansatz für Mediziner und Pflegepersonal, die Behandlung schlecht heilender, chronischer Wunden in vier einzelnen Komponenten effizient zu strukturieren. Diese vier Schritte können je nach Wundstatus entweder nacheinander oder in Kombination durchgeführt werden, um den Heilungsverlauf zu beschleunigen, Komplikationen zu vermeiden und Ressourcen effizient einzusetzen. Dazu kann auch die Larventherapie mit ihrer bekannten Wirkweise beitragen.
Das Akronym bezeichnet vier Faktoren, welche die Wundheilung behindern und die im Rahmen der Wundbettvorbereitung beseitigt werden:
- Das „T“ steht für „Tissue“ und meint totes Gewebe. Der erste Schritt besteht also darin, abgestorbenes Gewebe und Biofilm aus der Wunde zu entfernen, somit Andockstellen für Bakterien zu reduzieren und die Wundheilung damit überhaupt zu ermöglichen.
- Das „I“ steht für „Infection“ bzw. „Inflammation“ und meint die Kontrolle und Behandlung von Infektionen, die den Heilungsprozess verzögern können. Hier ist beispielsweise auf Anzeichen wie Rötung, Schwellung, Eiter oder bestimmte Gerüche zu achten. Bei schweren Infektionen kann eine Antibiotikatherapie notwendig sein.
- Der nächste Buchstabe „M“ für „Moisture“, zu viel bzw. falsch zusammengesetzte Wundflüssigkeit – erforderlich ist hier die Sicherstellung eines optimalen Feuchtigkeitsniveaus in der Wunde oder auch die Vermeidung von Austrocknung, um die Heilung zu unterstützen. Eine stabile Umgebung schützt die Wunde vor Reibung oder Druck.
- Und schließlich „E“ für „Edge“, die Förderung der Wundrandheilung und Vermeidung von Wundrändern, die den Heilungsprozess behindern.
Insbesondere die Larventherapie kann bei der Umsetzung des TIME Managements eine bedeutende Rolle spielen. Denn legt man den Maßstab von TIME an der Larventherapie an, wird deutlich, wie viele Herausforderungen durch diese Behandlungsmethode überwunden werden können.
Klinische Studien belegen ihre Wirksamkeit bei der Entfernung von totem Gewebe und dem damit assoziierten Biofilm. Der Larventherapie wird eine antibakterielle sowie entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, die indirekt auch zu einer Normalisierung der Flüssigkeitsbalance führt. Ein erhöhter pH-Wert, der durch alkalische Stoffe im Larvensekret hervorgerufen wird, führt zur Reduktion der Bakterienzahl in der Wunde. Darüber hinaus unterstützt die Larventherapie die Neubildung von Granulationsgewebe und den Wundverschluss.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Larventherapie einen positiven Einfluss auf alle vier Säulen des TIME-Konzeptes in der Wundbettvorbereitung ausübt, um die Wundheilung nachhaltig zu fördern. Die Larven beschleunigen den Heilungsprozess, verringern das Risiko von Infektionen und reduzieren somit Komplikationen, sind im Vergleich zu anderen Methoden weniger invasiv und erfordern weniger Personal- und Behandlungszeit.
Der Review „TIME Management mit medizinischen Larven“ von Dr. Wilhelm Jung zur Originalarbeit „TIME management by medicinal larvae“ ist im Download Center verfügbar.
Quelle:
Pritchard, D. I., et al. (2016). TIME management by medicinal larvae. International Wound Journal, 13(4), 475-484. doi: 10.1111/iwj.12457. Epub 2015 Jul 15. PMID: 26179750; PMCID: PMC7950164.